Der Garten
   
   
 
 
Der Garten
 
 

In Grossbritannien, einem der kreativsten Länder der Gartenkunst, studierte Ursula Schmitt acht Jahre lang Garten-Design. In dieser Zeit entwarf sie Privatgärten und legte sie in liebevoller Kleinarbeit an: "Schöne Jahre waren das, interessant und arbeitsintensiv, und ich möchte keine Sekunde davon missen."

2003 liessen sie und ihr Mann sich dann oberhalb des idyllischen Weilers Ebnet bei Bonndorf im Schwarzwald nieder. Hier in einer Höhe von 900 m auf einem 3500 qm grossen Grundstück, verborgen hinter einer hohen Fichtenhecke, sollte Ursula`s letzter eigener Garten entstehen. Mit der Firma Woll Gartenbau in Bonndorf fand sie einen kompetenten Partner im Bau von Terrassen, Wegen, Treppen, Brunnen etc.

Nach vier Wochen Bauzeit begann Ursula Schmitt im Mai 2004 mit der Pflanzung und damit der Realisierung eines Traums...

 

     

 

 

 

 

 

 

Heute tritt man durch die hohe, blickdichte Fichtenhecke ein in eine andere Welt: abgeschieden, still und doch aufregend.

 

Der Pflasterweg führt durch einen klassisch schlichten Vorgarten zur Eingangstreppe des Hauses. Hier deponiert Ursula im Sommer Arme voll Blumen in verzinkten Giesskannen: "Wenn die Nachbarn mit Sträussen versorgt sind, bleibt nur noch die Treppe."

Hinter einem Riesenbusch weissblühender und duftender Lorbeerkirsche liegt der Schattengarten unter hohen alten Fichten. Ein schmaler Pfad führt durch üppige Pflanzung von Epimedium, Carex Pendula, Helleborus, Euphorbia amygdaloides und Farnen hinein in die dunkelste Ecke, in der sich eine Bank verbirgt. Hierher zieht man sich zurück unter den Schirm eines alten Amelanchier, um der Sommerhitze zu entgehen.

Von diesem kühlen Plätzchen aus schweift der Blick hinaus in die Sonne auf einen leise plätschernden Steinbrunnen. Das Gegenlicht lässt die Wasserfontänchen silbrig aufblitzen.

     

 

 

 

Überhaupt sind Licht, Gegenlicht und lichter Schatten starke Gestaltungselemente in diesem Garten. Im lichten Schatten eines rotblättrigen japanischen Ahorns schlendert man vorbei an stark duftenden Azaleen zwischen Felsen gebettet - ein Hauch Japan.

Und dann tritt man in die volle Sonne: Überschäumende Staudenbeete aus Nepeta, Euphorbia, Papaver, Achillea, Iris, Lilien, Oregano, Hemerocallis, Liatris und Echinacea nehmen die Südwestseite des Hauses ein. Auf schmalen Kiespfaden kann man mitten durch die Pracht gehen. Man wird gestreichelt von überhängenden Gräsern, wie Stipa gigantea und S. capillata, Festuca mairei, Eragrostis curvula. Sie mildern ein Aufeinanderprallen der teils starken Blütenfarben und vereinen die Pflanzung zu einer harmonischen Gartenwiese. Morgens auf der Steinbank unter den Trauerbirken zu sitzen, dem Vogelgezwitscher zu lauschen und die sich im sanften Wind wiegende Gartenwiese im Gegenlicht zu betrachten, das gehört zu den besonderen Momenten im Garten Ebnet.

Eingerahmt wird dieser Teil des Gartens von einer Hainbuchenhecke. An zwei Stellen öffnet sich die Hecke und lässt den Besucher in eine neue Welt ein:

Über samtweich gemähte Wege wird man durch eine echte, naturbelassene Wildwiese geleitet, die im Juni neben Margariten, Kuckuckslichtnelken (Lychnis flos-cuculi) und Wildrosenbüschen auch rote, rosa und weisse Orchideen (Orchis mascula, Gymnadenia conopsea, Platanthera chlorantha, Epipactis helleborine und div. Dactylorhiza) beherbergt. Im Juni 2008 zählen wir insgesamt über 40 Exemplare.

Diese Erdorchideen sind wohl die eigenwilligsten Pflanzen in Ursula`s Garten. Man sieht sie erst kurz vor der Blüte. Sie blühen selten am selben Platz wie im Vorjahr. Einmal zählt man mit angehaltenem Atem stolze 44, das folgende Jahr magere 8 Blütenstände. Unberechenbar sind sie, kapriziös und atemberaubend schön. Sogar Ursula`s Schäferhund Felix bleibt in dieser Zeit vorsichtig auf den Wegen.

 

     

 

 

 

In der Südwestecke der Wildwiese errichtete der Hausherr ein selbst entworfenes Gazebo, das von duftenden Geissblattschlingern und kleinblumigen Clematis überwuchert wird und dem Verweilenden ein lichtgrünes Dach bietet. Dieser wildromantische Teil des Garten Ebnet lässt auch den gestressten Menschen tief durchatmen. Pläne für ein Feucht-Biotop mit Teich in einer ohnehin nassen Ecke reifen schon in Ursula`s Kopf.

Auf dem Weg zurück zum Haus lädt noch ein kleiner Nutz- und Beerengarten zum Naschen ein. Auch kann man dort in der Pergola den betörenden Duft der alten Kletterrosen "Spanish Beauty" und "New Dawn" sowie der Lilien "African Queen" und L. regale einatmen.

 

Ein Herbstbeet ist dem Beerengarten vorgelagert, das von August bis Dezember überquillt von duftigen Asterwolken aus A. amellus "Veilchenkönigin", A. pyren. "Lutetia", A. eric. "Pink Star", A. vim. "Lovely", A. laevis "Arcturus" und A. oblongifol. "Raydon`s Favourite". Zusammen mit stattlichen Büschen des straff hochwachsenden Chinagrases Miscanthus "Malepartus", Datisca cannabina, Helianthus "Lemon Queen", Kniphofia galpinii und der Riesenmontbretie Curtonus paniculatus, sowie dazwischengestreuten Regentropfengräsern Sporobolus heterolepis erlebt man hier noch einmal ein herbstliches Blütenkonzert, das erst unter hohem Schnee verstummt.

     

 

Unser Naturteich ist seit Juli 2009 fertig: Kein Vlies oder andere Abdichtung ist nötig, die dicke Lehm-/Tonschicht hält das Wasser zuverlässig. Der Teich füllte sich von allein mit dem Oberflächen- und Grundwasser; der Überlauf funktioniert. Der erste Gast, die Libelle stellte sich sofort ein. Ein wahrer Naturteich. Die Bepflanzung wird spärlich bleiben, da der Teich in sanfte Grashügel eingebettet ist.

     

 

 

Der letzte Abschnitt des Gartens ergab sich aus der Notwendigkeit, ein Übermass an Oberflächenwasser zu sammeln und in die vorhandenen Abflusskanäle zu leiten: Es wurde eine Grube von ca. 1 m Tiefe und einer Fläche von 4 x 3 m ausgehoben, mit Wackersteinen aufgefüllt und mit Geo-Vlies abgedeckt. Darauf liess Ursula drei Felsengruppen setzen (ein Drittel in den Boden versenkt!), die sie dann mit Pflanzerde umbaute. Grober Split wurde dazwischen verteilt - fertig war der Felsengarten. Wegen seiner halbschattigen Lage und der guten Drainage bereitete die Bepflanzung etwas Kopfweh: Die meisten Schattenpflanzen bevorzugen frische Böden. Aber entgegen Ursula`s Bedenken gedeihen und blühen Kniphofia caulescens, Euphorbia niciciana, Thymus, diverse Bergiris, Saxifraga, Festuca glauca sehr gut. "Man lernt ja nie aus".

Anfängliche starke Bedenken wegen Frostes in 900 m Höhe (20 Grad Minus über mehrere Tage sind keine Seltenheit) haben sich zerstreut. Sogar die aus GB mitgebrachten Crocosmia und Kniphofia schlummern in 20 cm Tiefe von mehr oder weniger Schnee bedeckt unbeeindruckt durch den Schwarzwaldwinter.

     

 

 

 

 

 

 

Gift gibt es in diesem Garten nicht! Nur Kunstdünger wird gelegentlich über Komposterden eingebracht. Blattläuse werden mit Fingern zerquetscht. Schnecken werden beherzt entzwei geschnitten und von ihren nachrückenden Kollegen verspeist, die dann ihrerseits für eine Weile satt sind. Was sie gegen das Mäuseheer im Jahr 2007 unternommen hat? "Nichts! Haben Sie schon mal ein Mäuslein manierlich auf seinen Hinterkeulchen sitzen und an einem Pilz nagen sehen? Sehr possierlich."

 

"Je entschlossener man gegen die 'Schädlinge' kämpft, desto entschlossener kämpfen diese um ihr Leben. Schliesslich ist mein Garten kein Kriegsschauplatz!". Ursula weiss, dass sie ihren Garten nicht alleine besitzt:

 

 

Sie teilt ihn mit all dem Getier, das sich in diesem kleinen Paradies genauso wohl fühlt wie die Menschen.

 

Mögen Sie den Gesang der Nachtigall im Frühling?

Hören Sie doch mal in unseren Garten rein:

 

News:  Die bekannte Gartenbuch-Autorin Evelyn Thieme hat den Garten Ebnet auf 6 Seiten in ihrem neuen Buch "Blühender Schwarzwald - Gärten öffnen ihre Pforten" beschrieben. Die Fotos der 25 schönsten Gärten im Schwarzwald sind von Jutta Schneider und Michael Will. Das Buch ist Mai 2010 im Mercator-Verlag (ISBN 978-3-87463-458-8) erschienen und über jede Buchhandlung zu beziehen ( €  29,80).
 
Kunst im Garten
     

 

 

 

Robin Eaton ist Schweizer Künstler und Kunsterzieher und lebt in Ebnet. Seine Skulptur "Balance" besteht aus drei Teilen: Der Sockel ist aus Sandstein und ist aus einem alten Kloster, die steinerne Mittelsäule stammt aus einer alten Synagoge, und das geschwungene Querholz ist aus Eschenholz. Nicht nur die geometrische Konzeption ist eine Balance, auch stellen die Materialien und ihre Herkunft ein Gleichgewicht der Ideen und der Sinne dar. Die Skulptur steht im Garten etwas erhöht auf dem ehemaligen Rosenhügel.

 

 

 

 

 

Miriam Dietze ist Schweizerin aus Biel und hat die Sandstein-Skulptur "Familie" als Arbeit während ihrer Schulzeit in der Waldorfschule angefertigt. Die Skulptur stellt eine Familie dar, in welcher der Vater und die Kinder sich symbolisch schützend um die verstorbene Mutter stellen.

 

 

 

 

 

 

Nando Alvarez ist ein international sehr bekannter Künstler aus Spanien, dessen Objekte weltweit an öffentlichen Plätzen und Ausstellungen zu sehen sind und die sich oft auch im Besitz von Behörden, Banken oder internationalen Konzernen befinden. Unsere Skulptur "Apollo und Dionys" wurde für das 14. Holzbildhauer-Symposium gleichen Thema`s in St. Blasien 2009 angefertigt; wir haben es von dort für den Garten Ebnet erworben. Es steht vor dem neuen grossen Teich zwischen den zwei Metasequoia glybtostroboides.

     
 

Der Hausherr Hermann Schmitt hat im Mai 2010 zwei Edelstahl-Objekte im minimalistischen Design beigesteuert: Einen kleinen Blütenbrunnen mit einer Überraschung und eine lustige Augen-Ring-Animation. Viel Spass damit!